Kurzportrait Julia Blum

  • Dipl. Fachfrau med. Entspannungsverfahren für med. PME, med. AT und med. AI® medrelax
  • Dr. sc. ETH Bewegungs- und Sportwissenschaftlerin
  • PHD Neurowissenschaften (ZNZ ETH und Uni Zürich)
  • Dipl. Turn- und Sportlehrerin II ETH
Als Bewegungs- und Sportwissenschaftlerin steht bei Ihnen die wissenschaftliche Betrachtung der menschlichen Bewegung im Vordergrund. Wie verbinden Sie nun die Prinzipien der Entspannung und der Ruhe mit Ihrem fachlichen Blickwinkel?

Der Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung ist ein grundsätzliches und lebenswichtiges Prinzip. Beim Menschen ist das Wechselspiel der Muskeln Voraussetzung für Bewegung, die rhythmische Kontraktion des Herzens Voraussetzung für unser Leben überhaupt. Auch über den Tagesverlauf zeigt sich ein natürlicher Wechsel von Anspannung und Entspannung in aktiv und regenerativ geprägten Phasen, wie auch im Wechsel von Tag und Nacht. Diese natürliche Rhythmik ist durch unseren Lebensstil oft überdeckt. Meist kommen die regenerativen Phasen zu kurz. Die Entspannungsverfahren können helfen, diese Rhythmik wiederherzustellen.
Betrachtet man die Etablierung der Entspannungsmethoden in unserer Gesellschaft, kann der Sport als Wegbereiter angesehen werden. Vor nicht allzu langer Zeit wurden Meditation und Entspannung vielleicht noch eher belächelt und vor allem mit Esoterik und Spiritualität in Verbindung gebracht. Mittlerweile sind diese quasi über den Sport gesellschaftsfähig geworden und haben sich nun auch zunehmend in der Geschäftswelt etabliert, wo vermehrt die persönliche Performance im Zentrum steht.

Sie bieten in verschiedenen von Ihnen angebotenen Kursen med. Entspannungsverfahren an. Wo liegt Ihr Hauptfokus bei der Arbeit mit diesen Verfahren?

Mein Hauptfokus bei der Vermittlung von med. Entspannungsverfahren liegt entsprechend meinem beruflichen Hintergrund auf dem Körperbezug. Dabei geht es mir hauptsächlich darum, den Teilnehmern einen Zugang zur Wahrnehmung ihres Körpers zu ermöglichen und dadurch Ressourcen zu finden und zu stärken. Die Wahrnehmung des entspannten Körpers und das gezielte Loslassen können als Grundlage für mehr Gelassenheit im Alltag dienen, das Stressempfinden reduzieren oder zum Beispiel auch die Erfahrung eines schmerzfreien Körperraumes bei Schmerzthematiken ermöglichen.

Wie setzen Sie Ihre Spezialisierung innerhalb der Methode med. Achtsamkeits-Interozeption® in der Arbeit als dipl. Entspannungsfachperson (EFP) ein?

Achtsamkeit ist das Schlagwort unserer Zeit. Die med. Achtsamkeits-Interozeption® ergänzt für mich deshalb die Methoden Progressive Muskelentspannung (PME) und Autogenes Training (AT) optimal. Während bei den beiden letztgenannten Methoden das Achtsamkeitsprinzip zwar miteinfliesst, steht dieses bei der Achtsamkeits-Interozeption® im Zentrum. Das aktive Anspannen und Loslassen von der PME und das vorstellungsgeleitete Entspannen beim AT wird so durch das achtsame Wahrnehmen des Körpers als Gesamtes bei der Achtsamkeits-Interozeption® abgerundet. Vom Handeln zum Sein. Damit möchte ich aber keineswegs sagen, dass die Methoden für mich hierarchisch angeordnet sind. Jede Methode bringt für sich ihre Stärken mit. Da bekanntlich viele Wege nach Rom führen, liegt die Kunst manchmal darin abzuwägen, welche Methode für den Klienten die geeignetste ist.

Sie bieten zusätzlich Hypnose in Ihrem Praxisangebot an. Gibt es hier, aus Sicht der autonomiefördernden Begleitung von KlientInnen, allfällige Konfliktpunkte in Ihrer Arbeit als EFP?

Meiner Meinung nach gibt es diesbezüglich keine Konfliktpunkte, auch weil ich die Hypnosetechniken gezielt ressourcen- und autonomiefördernd einsetze. Das heisst, dass ich mit der Hypnose versuche, den Klienten Erfahrungen zu ermöglichen, von denen sie auch unabhängig von mir ihren Nutzen ziehen können. Deshalb vermittle ich zum Beispiel auch Selbsthypnosetechniken, die später situationsspezifisch eingesetzt werden können, sei das, um einen Geburtsablauf zu unterstürzen, oder die in Wettkampf- oder Prüfungssituationen eine Beruhigung herbeizuführen.

Was finden Sie selbst bei der Anwendung von med. Entspannungsverfahren in Ihrem Alltag besonders spannend?

Besonders spannend finde ich, dass ich dabei immer wieder Neues entdecke und über mich selber erfahre und sei das nur, dass ich neue Muskeln im Körper erspüre, die ich noch loslassen kann. Es ist wie eine Reise zu und mit mir selber und ermöglicht mir so, mein Leben immer wieder als reiches Geschenk zu betrachten. Herausfordernd und insofern spannend finde ich auch, wie ich die Entspannungstechniken in meinen Alltag einbetten kann. Dadurch, dass meine Tage weitgehend durch meine vier Kinder geprägt sind, ist es oft schwierig, Zeit für die Entspannung zu finden. Daher ist es immer wieder interessant, neue Möglichkeiten zu entdecken, wie ich die Entspannungsverfahren in meinen Alltag integrieren oder wo ich bewusst Zeitfenster fürs Üben einbauen kann. Das Experimentierfeld reicht von morgens extra früher aufstehen bis hin zum Üben während Diskussionen mit den älteren Kindern, während dem Duschen, beim von A nach B Laufen, beim Zähneputzen, vor dem Einschlafen…

Zum Schluss noch eine persönliche Frage. Bezüglich der Vereinbarkeit von Familie und Beruf: wie helfen Ihnen die medizinischen Entspannungsverfahren, um hier in der persönlichen Balance zu bleiben?

Die Entspannungsverfahren helfen mir immer wieder dabei, den Boden unter den Füssen nicht zu verlieren, mit Vertrauen in die Zukunft zu blicken und auch mal, den bei mir ausgeprägten Perfektionismus ruhen zu lassen. In besonders intensiven Zeiten hilft es mir eines nach dem anderen zu nehmen, bei Konflikten und Diskussionen mit den Kindern ruhig zu bleiben, das Scheitern dabei und auch auf anderen Gebieten nicht zu bewerten und allgemein eine nicht wertende Haltung gegenüber Ereignissen und Personen zu üben. Zudem schenken mir die Entspannungstechniken ein Arbeitsfeld, das mir viel Freude und Spass bereitet. Obwohl es oft nicht einfach ist, die Balance zwischen Familie und Beruf zu finden, nähren sich für mich so die beiden Seiten gegenseitig!

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